RSS

Irland will Gesetz gegen Blasphemie

03 Mai

Fröhliches IrlandIrland möchte ein Gesetz gegen Gotteslästerung einführen, das in etwa dem deutschen Gotteslästerungsparagraphen §166 entspricht. Endlich, ich dachte schon, das Mittelalter wäre vorrüber. Bald können wir wieder Minnelieder singen und epische Geschichten aus dem goldenen Zeitalter der Helden erzählen, während wir guten Met aus den Schädeln unserer Feinde trinken.

Bis zu 100 000 Euro müssten dann Bürger zahlen, die zum Beispiel gegen Scientology demonstrieren, insofern Scientologen damit ein ernsthaftes Problem haben sollten. Ein Gericht müsste zum Ergebnis kommen, dass das veröffentlichte Material “grob ausfällig oder beleidigend gegenüber Dingen ist, die für irgendeine Religion heilig sind und hierdurch Zorn bei einer nennenswerten Anzahl der Mitglieder dieser Religion auslösen” und dieser Zorn müsste absichtlich erfolgen.

Sollte also ein Ire der Meinung sein, sich über den Glauben der Scientologen an Thetane und Außerirdische, die Wasserstoffbomben in Vulkane werfen, lustig machen zu müssen, so wird er dafür schwerstens zur Kasse gebeten werden, insofern das Gesetz durchkommt. Man könnte sich auch nicht mehr über die katholischen Jesus-Kekse (Hostien) lustig machen, über den gewaltigen hinduistischen Götterhimmel oder über Mohammed und seine Diskussionen mit dem Erzengel Gabriel.

Das deutsche Äquivalent dazu, der sogenannte “Gotteslästerungsparagraph”, den die CSU jährlich verschärfen will, kommt allerdings nur sehr selten zur Anwendung. Er ist wie folgt formuliert:

§ 166 Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgesellschaften und Weltanschauungsvereinigungen

(1) Wer öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) den Inhalt des religiösen oder weltanschaulichen Bekenntnisses anderer in einer Weise beschimpft, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Ebenso wird bestraft, wer öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) eine im Inland bestehende Kirche oder andere Religionsgesellschaft oder Weltanschauungsvereinigung, ihre Einrichtungen oder Gebräuche in einer Weise beschimpft, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören.

Übrigens wurde schon mehrmals versucht, diesen Paragraphen auch auf Religionsvertreter anzuwenden, die Atheisten beleidigen, ihnen etwa vorwerfen, keine Moral zu haben. Doch in diese Richtung funktioniert das nicht, niemals wurde seitens eines Gerichtes anerkannt, dass Atheisten die selben Rechte haben wie Religiöse. Stets wurden nur Religionskritiker verurteilt, darunter Michael Schmidt-Salomon für sein Maria-Musical.

In Großbritannien wurde der entsprechende Gotteslästerungsparagraph abgeschafft, auch andere europäische Länder haben sich von ihm getrennt. Irland droht nun, diesen Trend umzudrehen.

Mohammed-Karikaturen wären damit selbstredend illegal und würden schwer bestraft. Warum? Weil Muslime sehr leicht erzürnd werden können. Beim Karikaturenstreit haben Islamisten mehrere Botschaften abgebrannt und zahlreiche Menschen getötet. Natürlich werden die Täter nicht dafür bestraft, sondern die Cartoonisten, welche die Frechheit besaßen, ihre Meinung kundzutun.

Nun, offensichtlich sind diese Blasphemiegesetze verrückt und dezidiert antidemokratisch. Sie besagen, dass derjenige Recht hat, der droht, der sich aufregt, der Botschaften abbrennt und der Menschen tötet, insofern jemand von seinem Recht auf freie Meinungsäußerung in einer Weise Gebrauch macht, die ihm nicht gefällt. Atheisten würden mit solchem Irrsinn niemals durchkommen. Aber wer einer religiösen Ideologie folgt, der ist eben etwas gleicher als seine gottfreien Mitbürger.

 
2 Comments

Geschrieben von - 3. Mai 2009 in Politik, Religionskritik

 

Schlagwörter: , , , , ,

2 Antworten zu Irland will Gesetz gegen Blasphemie

  1. Der mit dem Glauben tanzt

    3. Mai 2009 at 18:28

    Wie dumm muss eine Gesellschaft sein, um so ein Gesetz durchzubringen?

     
  2. petersemenczuk

    4. Mai 2009 at 09:55

    Welcher falsche Prophet sieht das gerne, dass man ihn
    bloß stellt und seine Inkompetenz vor der irischen
    Gesellschaft in Frage stellt?
    Moderne Scheiterhaufen sehen heute anders aus, nicht nur in Irland, sondern auch in Portugal,Spanien und Südamerika.

     
 
Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.

Join 101 other followers