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Unbeugsam – die Kampfjuden

01 Mai

UnbeugsamNachdem ich den Filmtitel des Streifens Unbeugsam – Defiance dem gewöhnlichen Niveau verdeutschter Filmtitel angepasst habe, möchte ich erklären, was so besonders an diesem Film ist. Zunächst einmal spielt der aktuelle James-Bond-Darsteller Daniel Craig die Hauptrolle, was insofern herausragend ist, als dass Unbeugsam ein guter Film ist und keine uncharmante Schlaftablette wie die aktuellen Bond-Filme.

Zweitens ist es endlich mal kein Nazi-Film, der Juden melodramatisch zur Schlachtbank geleitet, dabei möglichst viel extreme Gewalt zeigt und den Zuschauer hilflos zurücklässt. Zwar sind Filme wie Schindlers Liste und Der Pianist handwerklich gut gemacht, aber am Ende steht man als nachdenklicher Konsument mondkälbig da und weiß nicht recht, was man nun eigentlich tun soll, welche Lehre zu ziehen ist und überhaupt. In Der Pianist geht es, wie in Unbeugsam, um einen polnischen Juden. Man begleitet ihn auf seinen Eskapaden durchs Warschauer Ghetto und schließlich in seine stetig wechselnden Verstecke. Man ist praktisch völlig passiv und muss alles über sich ergehen lassen. Manchmal denkt der Hauptcharakter zwar daran, den Kampf aufzunehmen, doch wann immer das jemand in dem Film tatsächlich tut, scheitert er auf ganzer Linie. Man muss es also aussitzen. Na super, dann wissen wir ja nächstes Mal, was zu tun ist.

Anders Unbeugsam. An der Seite der Bielski-Brüder versteckt man sich in den polnischen Wäldern, wartet dort aber nicht einfach auf den Tod, sondern man organisiert sich, führt Sabotageakte durch, tötet Verräter und erschießt Nazis. So muss das ausschauen! Endlich nicht mehr, wie in unzähligen Filmen zuvor, einfach warten, bis die Deutschen haben, was sie wollen, sondern diesmal lautet die Parole auf “Widerstand”. Die Bielski-Brüder streiten sich zwar darüber, wie genau ein solcher Widerstand konkret auszuzehen hat, aber am Ende vereinigen sie sich und man sieht, dass sowohl vorsichtige Planung und kluge Organisation, als auch Gewalt und aktiver Kampf  notwendig sind, um zu überleben und um die Nazis rauszuwerfen.

Außerdem geht es um jüdische Identität, geformt einerseits in Reaktion zum Antisemitismus der Deutschen, sowie, verdeckt, der Russen, andererseits anhand der Auseinandersetzung mit der “Auserwähltheit” als jüdisches Volk am Beispiel eines Rabbis. Dieser Rabbi hat im Waldversteck der polnischen Juden die Funktion eines Lehrers und eben eines Priesters. Anfangs spricht er noch von der religiösen Identität und Geschichte der Juden, als wäre nichts geschehen, später jedoch betet er zu Gott, er möge ein anderes Volk auserwählen, wenn seine Lieblinge ein solches Elend erleiden müssen. Als er seinen Glauben schon fast aufgegeben hat, erkennt er einen der Bielski-Brüder als Gottgesandten, der die Juden erlösen soll. Natürlich ist das Unsinn, fragt man sich doch, warum Gott bei der unentwegten Verfolgung seines Volkes mit verschränkten Armen zusieht und dann nur so ungemein zögerlich eingreift, indem er einen einzigen Juden als Retter einsetzt, der eine einzige Gruppe von Flüchtlingen irgendwo in den polnischen Wäldern beschützt, während alle anderen draufgehen.

Ohne Theologie und Gottesglaube wäre man eben auch in solchen Extremsituationen um einiges besser dran. Man vermeidet zum Beispiel, sich nutzlose Fragen nach der Gerechtigkeit oder Gleichgültigkeit Gottes zu stellen und kann stattdessen seine Resourcen darauf verwenden, sein Versteck zu organisieren und möglichst viele Nazis zu töten.

Letztes ist dann auch ein Hoffnungsschimmer am Nazi-Filmhimmel. In Zukunft bitte weniger Melodrama und Hilflosigkeit, stattdessen mehr Action und effektiver Widerstand. Filme wie dieser zeigen: “Das alte Klischee, wonach die Opfer der deutschen Vernichtungspolitik ‘wie Schafe zur Schlachtbank’ gegangen seien, sich nicht gegen ihren Transport in Arbeits- oder Ermordungslager gewehrt hätten, ist unwahr”, wie Telepolis es ausdrückt.

Ergo: Nieder mit dem Holo-Kitsch, Viva la Résistance!

 

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