
Gott wollte keine Trennung zwischen Kirche und Staat
…und Politiker helfen ihnen dabei. Nicht nur das, sondern es sind gerade die Politiker, die für Pro Ethik eingetreten waren, die nun die Inhalte des Faches von den Kirchen mitbestimmen lassen wollen. Und die Verlierer werden die Gewinner sein…
IBKA-Vorstand Rudolf Ladwig hat beim hpd eine Stellungnahme zum Thema abgegeben. Er kann mich zwar nicht leiden, würde mich für meine offene Antireligiosität wohl am liebsten den Kannibalen zum Fraß vorwerfen, aber ich finde seinen Kommentar trotzdem gut und zitiere hier die wichtigsten Passagen:
Verlierer stellen Forderungen – Gewinner sind willfährig
Erneut wechseln die beiden Großkirchen jetzt die Handlungsebene. Nun geht es darum, unter Umgehung des Votums der Bürger, vom Staat einen besonderen Einfluss der Kirchen auf die Inhalte des zuvor so bekämpften Ethikunterrichtes zu erlangen. Merke: Ethikunterricht gilt Kirchenlobbyisten dann als neutral, wenn sie ihn gründlich unterwandert haben! Und für derlei geben sich fast alle Parteivertreter gerne willfährig her – auch Jene, die in Berlin Pro-Ethik sind.
Das begann schon kurz nachdem das Ergebnis des Volksentscheides sich abzeichnete. Walter Momper, Schirmherr von Pro-Ethik, bestritt, dass es überhaupt einen Kirchenkampf gegeben habe. Er meinte damit vermutlich den absurden Vorwurf von Pro-Reli, der Senat agiere durch die Unterstützung von Ethikunterricht gegen die Kirchen. Dass es jedoch einen Kampf der Kirchen gegen den integrativen Ethikunterricht gegeben hatte, sollte wohl auch schnell vergessen gemacht werden. Pro-Reli wurde vom Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) zur Entlastung der Kirchen nachträglich als reine CDU-Kampagne deklariert, in welche sich die Kirchen offenbar irgendwie unerklärbar hinein verirrt hatten. Die Fraktionsvorsitzende der Bündnisgrünen, Franziska Eichstädt-Bohlig, ist zwar froh, dass der gemeinsame Ethik-Unterricht bleiben wird, sie findet es jetzt aber vor allem wichtig, dass man nach dem verbissenen Kampf der vergangenen Wochen wieder auf die Kirchen zugehen müsse. Man wolle nicht über den Gegner triumphieren. „Es gibt ja durchaus das gemeinsame Ziel, die Werteorientierung zu stärken“. Denkbar sei, die Kirchen über das Modulkonzept am Ethikunterricht zu beteiligen.
In den Sondersendungen des rbb am Abend des Volksentscheides wurde dreist durch den Interviewer gefordert, der Senat solle den deutlichen Volkswillen schlicht ignorieren und mit den Verlierern Kompromisse schließen. Der Berliner SPD-Landesvorsitzende Michael Müller sagte, der Senat sei bereit, eine Umgestaltung des Unterrichtsfaches Ethik zu prüfen. Linke-Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch riet seiner im Berliner Senat vertretenen Partei, bei der Ausgestaltung des Ethikunterrichts den Dialog mit den Kirchen zu suchen.
Wieso werden nicht auch andere gesellschaftlichen Gruppierungen in den geforderten Dialog gleichberechtigt einbezogen? Kompromisslose Dialogverweigerer waren doch vor dem Volksentscheid die Kirchen selbst!
Der Berliner evangelische Bischof Wolfgang Huber drohte mit der Gründung weiterer Konfessionsschulen und kündigte an, sich großmütig zu Gesprächen mit dem bösen Senat herabzulassen: „Man muss uns ganz genau erklären, wie die Inhalte im Ethikunterricht ausgerichtet sind“. Der Staat muss also vor einer sich als Oberinstanz aufspielenden Kirche die Inhalte eines rein staatlichen Unterrichtsfaches rechtfertigen und genehmigen lassen?
Kirchen kapern Ethikunterricht
Dies alles läuft auf den Anspruch hinaus, die zuvor abgelehnten religionskundlichen Elemente (Wissen) in den Ethikunterricht jetzt doch einzuführen – wogegen zunächst nichts zu sagen ist – das aber dergestalt umzusetzen, dass ausgerechnet theologische Lehrer der Verkündigungsfächer (Mission) diese aus einer Binnenperspektive im weltanschaulich neutralen staatlichen Pflichtfach Ethik als Module unterrichten. So eine Forderung würde die weltanschauliche Neutralität des Ethikunterrichtes gefährden und ganz neu die Frage aufwerfen, ob damit nicht tatsächlich ein Verfassungsbruch klammheimlich betrieben wird. Dafür haben die bei Pro-Ethik Engagierten auch wohl kaum gekämpft!
Die Forderung, die Behandlung des Christentums im staatlichen Ethikunterricht müsse – statt auf der Basis der Religionswissenschaft mit einer Außenperspektive – von konfessionellen Theologen aus einer innerkirchlichen Binnenperspektive betrieben, oder mindestens dessen Inhalte mit den Kirchen folgsam abgestimmt werden, ist so sinnig, als dürfe im Biologieunterricht die Evolutionstheorie nur auf der Grundlage einer Absprache mit und von Kreationisten, im Erdkundeunterricht die Astronomie nur unter Autorisierung durch den Astrologenverband, im Geschichtsunterricht das Thema Arbeiterbewegung nur in Konsultation mit SPD und Gewerkschaften durch deren Sekretäre und im Politikunterricht das Thema Rechtsextremismus nur unter der Agenda „authentischer Experten“ der NPD gestaltet werden.
So werden nicht nur Bekenntniselemente als trojanisches Pferd in den staatlichen Unterricht eingeschmuggelt, sondern quasi in der Folge garantiert, dass Religionskritik im Ethikunterricht schon gleich gar nicht vorkommt. All dies wird sich weitgehend jenseits der Aufmerksamkeit einer kritischen Öffentlichkeit durch Lobbyarbeit vollziehen. Matthias Heine in Die Welt (Druckausgabe, 28.4.2009) will aber durchaus etwas skandalisieren: „Jetzt muss man Einfluss auf den Ethikunterricht nehmen, um zu verhindern, dass er die niveaulose Agitation bleibt, die er ist. Bei jeder Propaganda und bei jeder historisch falschen Kleinigkeit über das Christentum gilt es, Krach zu schlagen. Ich jedenfalls freue mich schon darauf, den Ethik-Lehrern meiner kleinen Tochter später das Leben zur Hölle zu machen.“
Bezüglich historischer Wahrheiten sind ja bekanntlich die Bischöfe Meisner und Mixa die maßgebliche Instanz. Man sollte daher den Kirchen zusätzlich zum Religionsunterricht nicht nur den Ethikunterricht, sondern auch gleich den Geschichtsunterricht und den Biologieunterricht übereignen. Am besten wird die 1919 leichtfertig abgeschaffte kirchliche Schulaufsicht wieder eingeführt. Dann muss auch kein Frömmler mehr seine Kinder zum Kulturkampf gegen unliebsame wissenschaftliche Bildung missbrauchen. Die gibt es ja dann in den Schulen glücklicherweise nicht mehr!












Die Anmerkungen über Ethikunterricht in BW im Orginalartikel stimmen überhaupt nicht.
-im meinem Technischen Gymnasium liegen Ethik und Religion aufeinander (und trotzdem Randstunde)
-Ethik im Abitur geht…
-…und ersetzt die Religionsnote ganz einfach
-Theologische Fragen sind mir noch NIE aufgefallen (und unser Lehrer ist sogar Christ)
Das einzige was man sagen kann, ist dass man sich aktiv vom Religionsunterricht abwählen muss (mit einer Erklärung)
Ich hatte ja selbst 14 Jahre lang katholischen Religionsunterricht (auch wenn ich nie gläubig war) und kann von daher sagen, dass die Inhalte desselben sehr stark vom jeweiligen Religionslehrer abhängen.
Dasselbe gilt für Ethik. Als ich das als „Gasthörer“ besuchte, wurde nur die (dämliche) Goldene Regel und der Aberglauben der Religionen gepredigt.
Die Berliner haben sich gegen Religion als Pflichtfach in den Schulen entschieden – heißt es. Der rot-rote Senat jubelt. Ein weiterer Schritt, dem Volk, frei nach Karl Marx, endlich sein „Opium“ (nämlich die Religion) auszutreiben. Ob das ohne Wahlmanipulation gegangen wäre, bleibt offen. Wahlmanipulation, weil man den Volksentscheid, gegen alle fiskalische Vernunft aber sicher bewusst, von der kurz bevorstehenden Europawahl abgekoppelt hatte. Abgekoppelt, um eine niedrige Wahlbeteiligung zu erreichen. Niedrige Wahlbeteiligung, um das Mindestquorum von 25 Prozent aller Wahlberechtigten zu verfehlen. Denn ohne diese absoluten 611.000 Stimmen gilt jeder Volksentscheid, mit welchen Mehrheiten auch immer, als abgelehnt. Und zur Europawahl gehen natürlich mehr Wahlberechtigte. Dafür hat man sogar ca. 1,4 Millionen Euro Mehrkosten in Kauf genommen – ein Fall für den Rechnungshof. Schließlich noch die Werbung gegen Pro Reli aus Steuermitteln trotz Verbots durch das Oberverwaltungsgericht. Ob korrekte, also nicht manipulierte, Wahl den Erfolg gehabt hätte, das Grundgesetz, das ja Religion als ordentliches Pflichfach vorschreibt, endlich auch in Berlin einzuführen, bleibt zweifelhaft. Denn immerhin hat eine dreiprozentige Mehrheit für die immer noch gültige sowjetische Regelung entschieden, die Religion nur als freiwilliges Fach zulässt. Deren Folgen für das Niveau der Berliner Schulen, nicht nur in Neukölln, sind bekannt. Anfechtung der nicht korrekten Wahl – eigentlich eher bekannt aus Entwicklungsländern – wird zu prüfen sein. Wenn das alles nichts bringt, kann man Eltern nur noch empfehlen, auf Privatschulen auszuweichen – leider mit der Folge weiteren Niedergangs der öffentlichen (Rest-)Schulen. Nur für das gute Wetter war der Senat sicher nicht verantwortlich.
Lieber Doktor von Livonius,
für Sie und alle anderen hier ein schönes Video zum Thema -> http://vimeo.com/4495232
Gott twittert, DDR tritt der Gruppe BRD bei und ProReli verliert.
Doch auch seriös betrachtet sind die Argumente sind einfach unvollständig und irreührend:
Das zitierte Grundgesetz hat bzgl. des Religionunsunterrichtes einen Zusatzartikel, die sogenannte Bremerklausel. Die besagt, dass Länder, die vor dem 1. Januar eine anders lautende Regelung zur Religion hatten, auch weiterhin befreit.
Das die Wahl Geld gekostet hat, ist doch bitteschön auch nicht die Schuld des Senats … und die Verschwörungstheorie dahinter ist lächerlich. Wieso sollten bei einer höheren Wahlbeteiligung andere Ergebnisse erzielt werden?
Die vom Senat bereit gestellten ca. 25.000 € für ProEthik sind zugebener und auch erwiesener Maßen eher zweifelhaft, aber nichts im Vergleich zu den knapp 270.000 €, die ProReli aus (Kirchen-)Steuergeldern investiert hat. Das Geldargument hakt aber noch anderer Stelle; Berlin gibt jährlich beinahe 50 Mio. € für den Religionsunterricht aus, was ich als Steuerzahlender Atheist nicht besonders gut finde. Aber warum die Kirche dieses finanzielle Engagement ebenfalls nicht (zumindest nicht offensiv) goutiert, verstehe ich nicht.
P.S. Hat es große Überwindung gekostet, den Senat aus der Verantwortung für das gute Wetter (am 7. Juni viell. noch schöner) zu geben?
bastiankbx