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Wissenschaft und Religion sind unvereinbar

19 Apr

Klarheit oder Vernebelung? Wer ist wirklich der Beste in der Vertreibung der Ignoranz? Peter Atkins über die Vereinbarkeit von Wissenschaft und Religion.

Die Wissenschaft ist beinahe vollkommen unvereinbar mit der Religion. Ich sage „beinahe”, aber ich möchte nicht, dass man dieses weiche Wort als Schwäche auffasst. Die einzige Stelle, an der sie vereinbar sind, ist der Umstand, dass es auf beiden Seiten wohlmeinende, ehrliche Menschen gibt, die aufrichtig und auf tiefgründige Weise daran interessiert sind, die Wahrheit über diese wunderbare Welt zu entdecken. Da ich das nun gesagt habe – eigentlich gibt es überhaupt keine Vereinbarkeit zwischen Wissenschaft und Religion.

Der unvoreingenommene Starrblick der Wissenschaft untersucht Probleme öffentlich, tauscht Informationen öffentlich aus, diskutiert heikle Punkte objektiv und entwickelt ein Netz von ineinandergreifenden Ideen und Theorien, die zunehmend das Komplexe als Ergebnis des Einfachen enthüllen. Das nach Innen gewandte, sentimentale Glimmen der Religion denkt über private Themen nach, tauscht Informationen durch Versicherung und Bestätigung aus, diskutiert heikle Punkte mittels Kriegsführung, Terror und Nötigung und entwickelt ein Netz von widerstreitenden Ideen, die Unwissenheit unter einem Mantel hochtrabender, doch leerer Prosa verbergen.

Die Wissenschaft enthüllt, wo die Religion verbirgt. Wo die Religion zu erklären vorgibt, flüchtet sie sich in Wahrheit in die Tautologie. Zu versichern, dass „Gott es getan hat” ist nicht mehr als ein Eingeständnis der Unwissenheit, die sich auf hinterlistige Weise in die Roben der Erklärung hüllt. Die Wissenschaft, mit ihrem öffentlich erhältlichen Korpus von Informationen und ihren offenen, einsehbaren Argumenten, kann die Fragenden zu einem vollkommenen Verständnis der gesamten physischen Welt führen. (Unten muss ich natürlich erläutern, warum es sich dabei um die gesamte Welt handelt).

Die Wissenschaft respektiert die Macht des menschlichen Intellekts, die Religion setzt ihn herab. Die Wissenschaft gibt uns den Ausblick auf ein vollkommenes Verständnis, denn sie beweist nach wie vor, dass es bei genügend Zeit keinen Aspekt der Welt gibt, der sich ihrer Prüfung und Erklärung entzieht. Die Religion behauptet entwaffnend, dass menschliche Gehirne zu kümmerlich seien, um vollkommenes Verständnis erreichen zu können. Doch die Wissenschaft schreitet immer weiter in Richtung des vollständigen Wissens und lässt die Religionen in ihrem Kielwasser tanzen.

Wissenschaft ist harte Arbeit, doch die Anworten, die sie vom steinernen Gesicht der Unwissenheit schlägt, sind verlässlich. Religion ist Lehnstuhlspekulation, Gehirnen angemessen, die sich durch den Nebel tasten wollen. Die Wissenschaft kann tiefe Fragen nicht nur durch bloße Worte beantworten: Sie nährt sich vom Schweiß unzähliger Experimentatoren und den Kämpfen von Theoretikern, um die Daten zu erklären. Religion kann wild und darum nutzlos über schwabbelige persönliche Meinungen spekulieren und sich niemals testen lassen, außer vielleicht jenseits des Grabes. Natürlich gibt es kein jenseits des Grabes, außer in den Köpfen jener, die sich nicht mit dem Ausblick ihrer eigenen Auslöschung arrangieren können.

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2 Comments

Geschrieben von - 19. April 2009 in Philosophie

 

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2 Antworten zu Wissenschaft und Religion sind unvereinbar

  1. Der mit dem Glauben tanzt

    20. April 2009 at 18:46

    Ist ja an sich ein super Beitrag, aber eines muss ich bemängeln: Dass es nach dem Tod nichts gibt. Korrigiere mich unbamrherzig, wenn ich falsch liege, aber soweit ich weiß, weiß die Wissenschaft über das Leben nach dem Tode nicht sonderlich gut bescheid ^^

     
  2. HFRudolph

    20. April 2009 at 19:20

    Falsche herangehensweise: Wenn die Wissenschaft halbwegs sicher weiß, was Leben ist, dann weiß sie auch, wann etwas tot ist…

     
 
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