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Religion für Dummies?

09 Apr

Es geht hier gleich um die Frage, ob Religion für Dummies ist. Doch zuvor ist festzustellen: Das Endgericht steht kurz bevor! Mein Erz-Nemesis Michael Blume schließt einen seiner Blogs. Ein Zeichen, dass es nicht mehr lange dauern kann, bis Jesus zurückkehrt, um die Ungläubigen zu strafen. Aber was soll ich inzwischen bloß anfangen? Was tut George W. Bush ohne seinen Bin Laden, Batman ohne seinen Joker, Austin Powers ohne seinen Dr. Evil, Herr Blume ohne mich?


Man weiß es nicht. Auf jeden Fall hat er mir noch einen seiner Kommentare mit auf dem Weg gegeben, aufgrund derer ich ihn so schätze:

“Nicht- bzw. Andersglaubende pauschal für böse oder dümmer zu halten ist mir einfach nie gelungen, habe ich auch nicht angestrebt – ist ggf. wohl eher Ihr Ding.”

Aber ja! Wann immer ich keine satanischen Rituale an Christenkindern vollführe oder den heiligen Gral bei eBay versteigere, ist das genau mein Ding! Was sonst könnte man schließlich tun an regnerischen Wochenenden?

In der Realität, und um die geht es ja nur selten in diesem Blog, wo ich doch immer über Gott rede, in der Realität halte ich Nichtglaubende keineswegs pauschal für böse. Tatsächlich verhalten sie sich im Durchschnitt (es geht in der Wissenschaft praktisch nie um den Einzelfall) ethischer als religiöse Menschen. Auch glaube ich nicht, dass Atheisten dümmer sind als Religiöse. Im Gegenteil zeigen Studien, dass Religiöse im Durchschnitt dümmer sind als Atheisten. Sie sehen also, lieber Herr Blume: Ich werte unsere atheistischen Mitbürger, Poseidon sei ihnen gnädig, keineswegs pauschal ab.

Was nun die Andersglaubenden, also die überhaupt Glaubenden, betrifft, so werte ich auch sie nicht pauschal ab (nur statistisch). Im Gegenteil habe ich schon viel von Gläubigen gelesen, auch ein paar Exemplare davon kennengelernt, die gar nicht böse sind und auch gar nicht dumm. Im Prinzip ist das auch alles recht egal, weil ich davon überzeugt bin, dass beinahe jeder Gläubige genügend Intelligenz besitzt, um seinen Glauben in Anbetracht der Belege und Argumente gegen die Existenz Gottes aufzugeben – würde er sich denn nur einmal ernsthaft mit diesen beschäftigen.

Der zentrale Unterschied zwischen unseren Ansätzen besteht aber darin, dass Sie der Meinung sind, Religiosität gehöre zur menschlichen Natur, während ich der Meinung bin, dass Religiosität zur menschlichen Kultur gehört. Nicht die Menschen selbst sind von Natur aus (dermaßen) dumm, sondern die Religion – als Weltanschauung, Ideensystem. Es ist zwar so, dass im Durchschnitt dumme Menschen eher dazu neigen, dumme Weltanschauungen zu haben, aber ich glaube gerade nicht, dass irgendjemand auf diesem Planeten dumm genug ist, um religiöse Dogmen nach einer ernsthaften Betrachtung für überzeugend zu halten. Amüsanterweise ist es leider gerade die Religion, welche die kritische Betrachtung ihrer selbst dummerweise ablehnt.

Fazit: Menschen gut, Religion schlecht.

 
5 Comments

Geschrieben von - 9. April 2009 in Persönliches, Religionskritik, Soziobiologie

 

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5 Antworten zu Religion für Dummies?

  1. H. Lektor

    13. April 2009 at 11:44

    Nun ist es aber leider so, dass die “Natur des Menschen” aufgrund ihrer selbst mittlerweise derart mit seinen kulturell bedingten Eigenschaften bedeckt ist, dass man sie kaum noch sicher eruieren kann. In unserer Natur liegt ein ziemlich großes Hirn, das sich vielerlei denkt und zu vielerlei Taten befähigt, was beides auf seine Struktur und Denkweise zurückwirkt. Die große Zeit des Denkens ist nun leider vorbei. An ihre Stelle trat das Äon des (wissenschaftlich unterstützten) Hedonismus. Muss man wirklich dogmatischer Misanthrop sein, um bei der derzeitigen Verfassung der “westlichen Gesellschaft” arge Bauchschmerzen zu bekommen? Um daran etwas zu ändern, ist es widersinnig, auf die “Natur des Menschen” zu rekurieren. Es liegt daran, die Kultur weiter zu entwickeln, auf ein Niveau, das jegliches Leben achtet. Das Weiterbestehen einer Anthropozentrik würde nur zum Untergang führen, der dann auch noch verdient wäre.
    ~.-.~

    Gratuliere übrigens zum Blog :-)

     
  2. derautor

    13. April 2009 at 12:24

    Ah, mein Lieblingstheologe ist da. Sehr schön. Ich muss mich hier mit irgendwelchen Neunmalklugen herumschlagen, da wurde es Zeit, dass mal ein anständiger Gläubiger aufkreuzt.

    “Um daran etwas zu ändern, ist es widersinnig, auf die “Natur des Menschen” zu rekurieren. Es liegt daran, die Kultur weiter zu entwickeln”

    Die Kultur ist ein Produkt unserer Natur und der Umweltbedingungen, der wir ausgesetzt sind. Insofern ist das kein so großer Widerspruch. Die Natur des Menschen ist insofern relevant, als wir herausfinden sollten, welche Gesellschaftsmodelle überhaupt erfolgsversprechend sind. Mit Hilfe der Soziobiologie hätten wir den Marxismus widerlegen können, bevor er Unheil anrichtete.

    Essenziell wäre schon viel gewonnen, wenn man die Grundbedürfnisse des Menschen nach Nahrung, Gemeinschaft, Sex und ein Heim akzeptieren würde. Zwar gibt es individuelle Gewichtungen, aber im Prinzip sind das Dinge, die wir alle anstreben.

     
  3. H. Lektor

    13. April 2009 at 15:25

    Na also wenn das mal nicht schmeichelhaft ist…bleibt nur zu hoffen, dass ich der einzige “Gläubiger” hier bleibe.
    ~.-.~
    Was die guten Alten Triebe betrifft, gilt es m.E. abzuwägen, dass sie gebremst werden, soweit sie destruktiv wirken, doch nicht so weit, dass sie sich destruktive Alternativbefriedigungen suchen.

    Im übrigen sollte nicht die Kraft des Willens vernachlässigt werden, seine eigene Natur zu überschreiten (um jetzt nich das T-Wort zu gebrauchen).

     
  4. Martin

    15. Mai 2009 at 07:44

    Vielleicht könnte man auch zwischen “Kultur” und “Zivilisation” unterscheiden. Sinnvoll wäre halt die Eindämmung der -dummerweise religiös gefärbten- Kultur durch die mehr durch Vernunftgründe gesteuerte Zivilisation ?

     
    • Nico

      1. November 2009 at 19:48

      Exakt. KULTur darf nicht die Grundlage sein. Da gibt es zwangsläufig Uniformität oder Gekloppe.

      Je unpersönlicher die Basis, desto geringer die Wahrscheinlichkeit, dass sich jemand persönlich benachteiligt und als Opfer sieht.
      So minimiert man die Wahrscheinlichkeit von Gruppenunterdrückungsparanoien als Heizmittel des Dominanzstrebens.

       
 
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