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Der griechische Schöpfungsmythos

05 Apr

Neben dem christlichen Schöpfungsmythos gibt es noch weitere Konkurrenzmodelle zur Evolutionstheorie, die mit unseren wissenschaftlichen Erkenntnissen durch theologische Auslegungskünste in Einklang zu bringen sind. Diesmal befassen wir uns mit dem griechischen Schöpfungsmythos. Aber Vorsicht: Es handelt sich um die Disney-bereinigte Originalfassung.

Der unendliche Orgasmus des Himmels

Chaos, die finstere, endlose Tiefe, ist der Anfang aller Dinge. Sie gebiert Gaia, die Erde – Plattform der Welt. Auf ihr wachsen Berge, die bis in die leuchtenden Himmel hinaufreichen, unter ihr ruht die Unterwelt, ein nebulöser Abgrund. Eros formt sich, die ursprüngliche Liebe, noch nicht in Geschlechter zerfallen.

Gaia gebiert Uranos, den Sternenhimmel und Pontos, den Meeresstrom. Pontos durchdringt und begrenzt die Erde. Gaia und Uranos, die direkt aufeinander liegen, bilden zusammen den Boden und das Gewölbe des Universums. Mit ihnen kommen die Geschlechter in die Welt. Gaia ist weiblich und Uranos ist männlich. Sie sind zugleich Götter, deren Verehrung einen Nutzen bringt, und Naturgewalten.

Uranos befasst sich ausnahmslos mit der Begattung Gaias und erfreut sich an einem ununterbrochenen Samenerguss. Auf diese Weise zeugen sie Kinder, sechs männliche und sechs weibliche Titanen, die jedoch Gaias Schoß nicht verlassen können, weil zwischen Himmel und Erde kein Platz frei ist. Neben ihnen zeugen Gaia und Uranos drei Kyklopen namens Brontes (Donner), Steropes (Blitz) und Arges (der Grelle), die sich mit der Produktion von Gewittern befassen. Sie haben nur ein Auge auf der Stirn, aber ihr Blick ist tödlich. Die letzten drei Kinder von Gaia und Uranos sind die Hekatoncheiren, die „Hundertarmigen“ genannten Ungeheuer Kottos, Briareos und Gyes. Sie haben fünfzig Köpfe und hundert kräftige Arme. Sie stehen für die Macht der physischen Gewalt, während die Kyklopen für die Macht des bösen Blickes stehen. Bereits die alten Griechen hatten also ein Problem damit, wenn man sie schräg anschaut.

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Geschrieben von am 5. April 2009 in Literaturwissenschaft

 

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